Schälli - Kalender 2012

Unser Kalender widmete sich im Jahr 2011 dem lebenswichtigem Thema Wasser. Mit ungewohnten Perspektiven durch Unterwasseraufnahmen. Auch das Licht ist ein lebensnotwendiger Bestandteil der Vegetation und unseres Daseins.

Doch wie lässt sich Licht fotografisch darstellen? Ist es nicht einfach „Hell“ oder „Dunkel“?

In zahllosen Gesprächen fand ich schliesslich durch Roland Frutig – wir kennen uns seit Jahren; oder gar Jahrzehnten – ergab sich ... ... ein Lichtblick! Es existiert in Indien mit Varanasi eine Stadt des Lichts! Wunderbar!

Roland Frutig hat die Stadt des Lichtes in Ihrer Mannigfaltigkeit festgehalten. Beim Betrachten von manchen Bildern vermisse ich die Dimension des Duftes. Die Erinnerung speist die Nase mit den Eindrücken der Gewürze.

Bei anderen Bilder verzichte ich aufgrund der Schilderungen des Fotografen gerne auf die Duft - Dimension.

Remo Schällibaum


Varanasi - Stadt des Lichts

Kaum eine andere Stadt Indiens polarisiert die Meinungen des Betrachters mehr als Varanasi. Die älteste Stadt Indiens ist jährlich Ziel von Millionen von Pilgern und Touristen mit all den damit verbundenen Nebenerscheinungen. Varanasi sehen und sterben, das ist auch heute noch das Ziel hunderttausender Hindus. Die Omnipräsenz des Todes mit den zahllosen Leichenverbrennungen und die fast unheimliche Kraft dieses Ortes, die atemberaubenden Lichtwechsel führen zu einem Wechselbad der Gefühle, das von Melancholie bis hin zu Befreiung und Gelassenheit reicht. Das haben auch frühere Herrscher Indiens bemerkt und so säumen viele prächtige Paläste von Maharajas die Ufer des Flusses und verleihen der Stadt vom Ganges her ein majestätisches Erscheinungsbild.

Varanasi ist kein Ort für empfindliche Gemüter und Nasen, denn entlang den Ghats – den unzähligen, steilen Stufen oder Toren zum Ganges – trifft man Schritt auf Tritt die Hinterlassenschaften menschlicher Bedürfnisse. Sich bei Sonnenaufgang oder nachts auf dem ruhig dahin gleitenden Fluss im Boot treiben zu lassen, mutet an wie eine Zeitreise und lässt all die Unzulänglichkeiten dieser Stadt vergessen. Beim Betrachten der Menschen bei ihrem morgentlichen Bad im Ganges lässt sich die tiefe Verbundenheit zu diesem Ort und seiner speziellen Bedeutung nur erahnen. Dann hat man wirklich das Gefühl, an einem Ort zu sein, wo sich Himmel und Erde berühren.

„Benares is older than history, older than tradition, older even than legend, and looks twice as old as all of them put together“ (Mark Twain, Following the Equator, 1896.)

Roland Frutig Fotograf /Feng Shui Berater